Bertha-Benz-Fahrt 2017

Als wäre man im Jahr 1888 dabei gewesen!

 

Unter den vielen Oldtimer-Ausfahrten und Rallyes ist die Bertha-Benz-Fahrt in ihrer Historie und mit der herzlichen Atmosphäre einzigartig… Hand drauf! Aber wie beschreibt man die Faszination dieser Ausfahrt, bei der die Teilnehmer an zwei Tagen auf historischer Route von Mannheim nach Pforzheim und zurück geführt werden? Die Werbung des Automuseum Carl Benz in Ladenburg bringt es ohne Umwege auf den Punkt: „Erleben Sie die Geschichte der Mobilität, als wären Sie selbst dabei gewesen“.

Seit beinahe 60 Jahren findet die Bertha-Benz-Fahrt im 2-Jahres-Rhythmus statt. Die historischen Fahrzeuge bis Baujahr 1930 nehmen dann, auf leicht wechselnden Routen, die rund 100 Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim und zurück unter die Räder. Für den nicht so ganz „Autoaffinen“ der sich fragt, was denn vor 129 Jahren hier los war, folgt ein ganz kurzer Exkurs in die Zeitgeschichte: Carl Benz arbeitete an der Entwicklung eines Verbrennungsmotors und mit diesem Motor sollte unter anderem ein „Mobil“ angetrieben werden - quasi eine Kutsche ohne Pferd. Im Jahr 1886 konnte Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent anmelden. Zwei Jahre später, im Jahr 1888, startete die Ehefrau, Bertha Benz, zu der weltweit ersten Langstreckenfahrt der Automobilgeschichte. Eine Sensation! Soweit die Kurzfassung.

Im Malice & Blin Vis-a-Vis durch die Sonnenblumen-Felder. Startnummer 3, Baujahr 1897
Mit Polizei-Eskorte vom Paddock in der Maimarkthalle zum Start in Mannheim, in der Mercedes Benz Niederlassung

Auf der gegenwärtigen Routenführung werden die Originalschauplätze von 1888 angefahren. In Neckarhausen setzen die Autos mit der Fähre über und in Wiesloch „tanken“ die Teilnehmer bei der historischen Stadt-Apotheke den damals verwendeten Kraftstoff „Lanolin“ - um nur einige Haltepunkte zu nennen.

 

Das Roadbook der Ausfahrt des Jahres 2015, hatte die Teilnehmer noch über Teile der „Bertha-Benz-Memorial-Route“ geführt. Der Ferienbeginn und diverse Baustellen hatten aber leider zu Verzögerungen und prompt zu manchem überkochenden Kühler geführt. Für die aktuelle Auflage in 2017 war ein neues Strecken-Layout entwickelt worden. Unter Einbehaltung der historischen Stationen, schlängelte sich der Tross nun auf Nebenstrecken durch die schönsten Landschaften der Region.

Dem Einen ein Genuss, dem Anderen sein Leid… für die „ganz alten“ Klassiker waren die Steigungen und die Gefälle etwas mühsam und die Service-Mannschaften der Schlepp- und Bremshilfen hatten gut zu tun… aber wie mag es eigentlich Bertha damals ergangen sein? Apropos „ganz Alt“. Das älteste Fahrzeug im Feld, ein Benz „Viktoria“, ist mit dem Baujahr 1893 gerade einmal 5 Jahre jünger wie der Patent-Motorwagen, mit dem Bertha auf Achse gewesen war.

An der Neckar-Fähre: Team Haubrich im Ford A Modell von 1930. Von dem langstreckentauglichen und unverwüstlichen Ford A waren gleich mehrere Exemplare dabei
Tank-Spiel: der Stopp an der historischen Stadtapotheke in Wiesloch. Hier ein prächtiger Benz 10/35 des Automuseums Dr. Carl Benz in Ladenburg

Insgesamt waren in diesem Jahr stattliche 71 Oldtimer der Baujahre 1893 bis 1937 an den Start gegangen. Und am lange Ende der beiden Fahrtage waren, mit Ausnahme weniger Ausfälle wegen technischer Probleme, alle Oldtimer im Ziel angekommen. Aber was macht das schon, wenn man sein „Schnauferl“ mal stehen lassen muss… man setzt sich halt einfach bei einem Mitstreiter auf die Rückbank und genießt die Fahrt. So hat man dann auch noch etwas mehr Zeit für die Kommunikation und die hat im ASC sowieso einen hohen Stellenwert! Schließlich geht es nicht nur um das Oldtimer-Fahren, sondern auch um die Pflege der Freundschaften und um das gesellige Miteinander.

Bei der diesjährigen Ausgabe war auch wieder die Maimarkthalle in Mannheim Anlaufstelle bei der Anreise, heute sagt man so schön „Paddock“. Am ersten Tag fand hier das lockere „Get Together“ statt. Umringt von den teilnehmenden Fahrzeugen, saß, kommunizierte und speiste man in der riesigen Halle… dies hat Stil und begeistert den echten „Autler“ (so nannte man damals die Besitzer eines Automobils). Der Vor-Start am Samstag erfolgte an der Maimarkthalle und die Auto-Kolonne wurde mit einer Polizei-Eskorte zur Mercedes Benz Niederlassung Mannheim-Heidelberg-Landau geleitet. Punkt 10.00 Uhr erfolgte hier der offizielle Start. Für den festlichen Abend hatte man den historischen Saal des Kloster Maulbronn ausgewählt.

Eines der prächtigsten Fahrzeuge im Feld: Daimler Benz 10/50 "Stuttgart" von 1930. Kerstin und Gustav Meiswinkel aus Siegen

Am Sonntag traf man sich zum Re-Start in der Fußgängerzone der Goldstadt Pforzheim. Die knapp 100 Kilometer der Rückreise führte unter anderem zur S&G Automobil AG, dem ersten Vertriebspartner von Carl Benz und im großen Kreisel in Reilingen präsentierten sich die Klassiker einem begeisterten Publikum. Im Ziel in Mannheim angekommen, wurden die Fahrzeuge und Teilnehmer in der Parkanlage des Wasserturms begrüßt. Den Ehrenpreis der Ausfahrt haben das Ehepaar Hoppe erhalten, die mit einem 1909 gebauten „Le Zebre Typ A“ unterwegs waren. Der kleine Wagen hat gerade einmal 0,6 Liter Hubraum mit 5 PS Leistung.

Leon Buat von 1903. Sieger-Fahrzeug der Internationalen Deutschen Schnauferl Rallye 2017 in Dresden. Team Krämer aus Siegen

Mit Bravour haben die Verantwortlichen die Bertha-Benz-Fahrt 2017 gemeistert. Verantwortlich für die Organisation waren Winfried A. Seidel, Vorsitzender des Vereins Automuseum Dr. Carl Benz, Wolfgang Presinger, Messingbeauftragter des Allgemeinen Schnauferl-Club Deutschland und natürlich die beiden Macher Renate und Harald Baier. Der Dank geht aber auch die vielen Helfer im Hintergrund, die zum Gelingen der Ausfahrt beigetragen haben. Neben einer perfekten Organisation, der gelungenen Routenführung und einem grandiosen „Rund-um-Service“ erlebt man bei der Bertha-Benz-Fahrt übrigens echte Freundschaft und Herzlichkeit. Man wird im Handumdrehen in die Gemeinschaft der schnaufenden und klappernden Kisten aufgenommen und so ist dann auch die gesamte Außenwirkung: man möchte die Teilnehmer, Gäste, die Besucher und alle Interessierten am Wegesrand am Zeitgeschehen teilhaben lassen.

Im kommenden Jahr organisiert die ASC Landesgruppe Tradition das „Ein-und-Zwei-Zylinder-Kriterium“ und in 2019 wird dann die 131. Auflage der Bertha-Benz-Fahrt stattfinden. Informationen finden Sie hier: www.bertha-benz-fahrt.de

 

Bericht & Fotos Gerhard Breuer

Sieger der Bertha-Benz-Fahrt 2017: Ehepaar Hoppe mit dem 1909 gebauten Le Zebre Typ A. Umringt von Renate Baier und Wolfgang Presinger - Mit-Organisatoren der Fahrt
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